Die Geschichte der Wilhelmsdorfer

Die Bonnet´sche Truppe

Am Anfang war das menschenleere untere Albachtal. Es war im 30-jährigen Krieg verwüstet worden und lag seitdem brach.
Bis 15 Familien, die nach ihrem Pfarrer und Anführer Jean Bonnet benannte Bonnet’sche Truppe, als hugenottische Glaubensflüchtlinge nach Franken kamen.Sie waren aus dem Oisans, einer Hochgebirgslandschaft zwischen Grenoble und Turin, vor den Drangsalen des französischen Sonnenkönigs geflohen. Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth räumte ihnen großzügig religiöse und finanzielle Freiheiten ein uns erwatete auch von ihnen eine Belebung der Wirtschaft in seinem darbenden Land.
So gründeten diese Familien Ende 1686 das Dorf im unteren Albachtal.

Der Bau der Kirche

Schon am 7. Oktober 1688 weihten die Hugenotten ihr erstes, an gleicher Stelle errichtetes Kirchlein ein. So wie ihre eben erst fertig gestellten Häuschen waren die Mauern aus Holz und Lehm. Im Gegensatz zu ihren Häusern erhielten die Fenster aber Glasfüllungen statt Papier. Gut 50 Jahre später war es schon schadhaft geworden. Isaak Daniel Buirette von Oehlefeldt, dessen Großvater am 7. Mai 1694 das Dorf samt Flur für 4000 Gulden gekauft hatte (der Markgraf verwendete das Geld zur Befestigung Erlangens mit einem Palisadenwall), ließ es niederreißen und errichtete dieses Gebäude. Die Einweihung mit zahlreichen Honoratioren wurde am 18. August 1754 mit reformierten Gottesdiensten am Vormittag in französischer und am Nachmittag in deutscher Sprache gefeiert. Der reformierte Ortspfarrer Marc Antoine Pouget traute anschließend noch ein lutherisches Brautpaar. Heiratswillige Hugenotten hatten sich nicht gefunden.

Kontakte und Konflikte mit den Lutheranern in Franken

Schon um das Jahr 1705 lockte der relative Wohlstand der fleißigen gewerbetreibenden Hugenotten lutherische Deutsche, meist nachgeborene Bauernsöhne und Dienstboten, in das Dorf. Über innerörtliche Reibereien zwischen den in Konfession, Sprache und Mentalität so verschiedenen Bevölkerungsteilen ist kaum etwas überliefert. Mehr als hundert Jahre lang lebten sie offenbar mit zwei Bürgermeistern, zwei Dorfschulen und mit Gottesdiensten in französischer und deutscher Sprache recht friedlich nebeneinander. Um so größer waren die Differenzen mit der benachbarten Kirchengemeinde Emskirchen, der die Wilhelmsdorfer Lutheraner angehörten.

Der Streit artete aus, als im Jahre 1812 nur noch 36 Französisch-Reformierte sich als eigenständige Kirchengemeinde nicht mehr halten konnten. Auch sie wurden nach Emskirchen eingegliedert. Ihr Protest und Widerstand führte am 18.12.1865 zu ihrer Eingliederung in die reformierte Kirchengemeinde Erlangen. Von dort reisten die Pfarrer an, um reformierten Gottesdienst zu halten, Pfarrer Friedrich Jung letztmals im März 1926. Am 12. Februar 1943 verstarb mit Hans Martin der letzte Französisch-Reformierte. Auch nach 1926, bis zu seinem Tode, spendeten ihm allein einmal im Jahr reformierte Pfarrer aus Erlangen das Abendmahl in der Hugenottenkirche.

Die Lutheraner in Wilhelmsdorf

Für die Lutheraner durfte erst ab 1873 der Vikar aus Emskirchen evangelisch-lutherische Gottesdienste in der Hugenottenkirche halten. Sie hatten den Gottesdienstbesuch in Emskirchen verweigert und gedroht, zur reformierten Konfession zu konvertieren. Eine weitere Verbesserung gab es dann für sie mit der Errichtung eines Exponierten Vikariats Wilhelmsdorf, doch erst im Jahre 1950 wurde Wilhelmsdorf die mehr als hundert Jahre lang erstrebte selbständige Kirchengemeinde der evangelisch-lutherischen Kirche Bayerns. Heute zählt sie 870 Mitglieder und bildet gemeinsam mit der Nachbargemeinde Brunn eine Pfarrstelle.

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